Die Zukunft von Morgen
Wer hat sich nicht schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie die Welt in einigen Jahrzehnten, Jahrhunderten aussieht? Das tun nicht nur Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen, sondern eigentlich jeder. Abends vor dem Einschlafen, in stillen Stunden – als Anlass dient ein Film, eine Science Fiction Fernsehserie oder einfach ein Artikel in einer Zeitung, in der schon wieder über einen technischen Fortschritt berichtet wird. Eine Antwort wird man auf die meisten Fragen und Spekulationen nicht erhalten. Einige Entwicklungen sind absehbar, zu erahnen, aber auch nicht gesichert: So ist es zum Beispiel eine Tatsache, dass die Autos und Gebrauchtwagen in der Zukunft nur noch wenig mit den heute gebräuchlichen Fahrzeugen zu tun haben werden. Man will weg vom Kraftstoff, der aus den Ölreserven der Erde gewonnen wird. Bereits jetzt geht der Trend zu elektrisch betriebenen Fahrzeugen; erste Ansätze zeigen Hybridfahrzeuge. Doch der Mensch hat den Anspruch auf Geschwindigkeit, kräftige Motoren und lange Reichweiten. Wie wird sich dies in der Zukunft umsetzen lassen? Bis die Menschheit auf diese Frage eine Antwort erhält, werden noch viele Millionen Euro in die Forschung investiert, werden sich Wissenschaftler noch lange den Kopf zerbrechen. Dieses Thema ist jedoch ein Beispiel für eine erforderliche Veränderung, denn weder die Ölreserven sind unerschöpflich, noch kann die Natur – hinsichtlich Klimawandel – die momentane Belastung weiter ertragen. Darüber hinaus gibt es aber viele andere Spekulationen, die das tägliche Leben in der Zukunft betreffen.
Technik erleichtert das Leben
Schon die letzten Jahrzehnte zielten die Weiterentwicklungen in Sachen Technik alle darauf hin, dem Menschen das Leben so angenehm, wie möglich, zu machen. Ein gutes Exempel ist schon die Küche, in jeder Wohnung, in jedem Haus zentraler Punkt. Vom Holzofen und einem Eiskeller ging der Weg zunächst – nach Entdecken der Elektrizität – hin zu Herdplatte, Kühlschrank und nach und nach allerlei mehr oder weniger sinnvollen und praktischen Küchengeräten. Vom Nutzen einer Dunstabzugshaube sind die meisten Menschen heute überzeugt, wohingegen nicht jeder einen elektrischen Dosenöffner und vergleichbare Extras in seiner Küche benutzt. Wird es in einigen Jahren vielleicht Roboter geben, die das Schneiden von Gemüse übernehmen? Oder geht die Entwicklung in Richtung der Replikatoren, die aus einer bekannten Science Fiction Serie bekannt sind?
Es wäre doch eine Erleichterung für alle, wenn per Knopfdruck das Essen ausgesucht wird und dies binnen kürzester Zeit einfach aus diesem futuristischen Gerät entnommen werden kann. Was die Hausfrauen dann mit ihrer Zeit anfangen, wäre diskutabel; bis man sich hierüber jedoch Gedanken machen kann, werden noch einige Generationen forschen und entwickeln, Ideen schaffen und verwerfen – oder in die Tat umsetzen. Vieles hängt noch mit Änderungen in der Technik zusammen. Versicherungen sind heute an die Lebensumstände und die Kosten angepasst. Diese werden sich ebenfalls verändern: Wo ist noch Unfallgefahr beim Kochen, wenn man einen Replikator benutzen kann; wer wird noch Reiseversicherungen brauchen, wenn das Beamen einmal Wirklichkeit wird?
Ein Bereich, der in den letzten Jahren stark im Kommen ist, fällt unter die Überschrift „Wellness“ – und damit sind sowohl technische Erfindungen, wie auch teils tausende Jahre alte Praktiken gemeint. Irgendwie skurril, dass man nach überlieferten Künsten massiert wird, nachdem man aus dem hochtechnisierten Whirlpool gestiegen ist – zwischendurch eine Gesichtsmaske mit Naturprodukten aufgetragen bekommt, die Maniküre jedoch schon wieder mit Technik und Chemie vorgenommen wird. Hier zeigt sich die Natur des Menschen, sich aus Altem und Neuem, aus Biologie, Chemie und Technik das herauszusuchen, was ihm am besten zu Gute kommt. Das Baden in einem Zuber oder am Ufer eines Flusses, wie es Menschen im Mittelalter noch praktizierten, ist heute ein witziger Effekt oder nicht mehr üblich. Es stellt sich die Frage, wie sich die Menschen vor 300 Jahren noch das Leben in der Zukunft, die wir heute erleben dürfen, vorgestellt haben. Ob es jemanden gab, der die Vorstellungskraft besaß, über Jacuzzi und Dusche nachzudenken – oder über Feng Shui Massagen und Nagelpflege in Wellness Ressorts?
Auch in Sachen Kleidung ist diese Historie zu erkennen. Irgendwann begannen die Menschen, sich Felle um die Füße zu wickeln. Das waren die ersten Schuhe. Heute gibt es sehr viele Unterschiede in diesem Bereich: Billige Schuhe und teure Markenmodelle, Nobeldesigner und Asienimporte zum Dumpingpreis. Schuhe zum Abendkleid, für jeden erdenklichen Sport, aus Gore-Tex und mit speziell konzipierten Sohlen. Orthopädische Fußgesundheit in modischer Verpackung ist zurzeit ein Zugpferd in der Schuhindustrie. Wie mag sich ein Leonardo Da Vinci die Schuhe der heutigen Zeit vorgestellt haben, als er mit der Zeichnung Vitruvianischer Mann bleibenden Eindruck in der Menschheitsgeschichte hinterließ? Hat er schon gewusst, dass sogar Schuhe heutzutage etwas mit Wellness zu tun haben können?
Vergleichbar mit der Geschichte, in der sich die Körperpflege zur Wellness veränderte, ist auch die Entwicklung des Betts. In der frühesten Entwicklungsphase nächtigten die Menschen einfach in Höhlen oder im Freien – Behausungen gab es ansonsten nicht. Die Matratze wurde viel später erfunden – sie entwickelte sich aus vielen Komponenten: Unterlagen aus Tierfell oder Heu und Stroh, später Tierhaut, die zum Beispiel mit Wasser gefüllt wurde und damit der Vorläufer der heutigen Wasserbetten darstellte. Auch hier liegt das Bestreben zugrunde, möglichst bequem zu liegen. Gerade beim Wasserbett kommt dies besonders zur Geltung. Das Wasser als Füllstoff der Matratze ist für optimalen Druckausgleich bekannt. Wie wird das jedoch in einigen hundert Jahren aussehen? Wird es dann Modelle geben, in denen die Schwerkraft den Druckausgleich übernimmt? Schlafkammern ähnlich der Bereiche in Raumfähren, in denen die Astronauten während ihrer Weltraumaufenthalte nächtigen? Vorstellbar wäre es, denn immerhin ist es möglich, die Schwerelosigkeit auch auf der Erde künstlich herzustellen – wenngleich dies alles noch in Labors stattfindet und durchaus nicht für den Hausgebrauch diskutabel ist.
Visionen über die Menschen
Es wird im Moment viel diskutiert, dass die stetig wachsende Weltbevölkerung nicht gut für die Erde ist. Ein Ungleichgewicht besteht auf dem gesamten Erdball. Dieses betrifft die Bodenschätze, die Klimabedingungen, aber auch das Nahrungsangebot. Hierzulande haben die Menschen von allem zu viel, während in anderen Gebieten eine Hand voll Reis das tägliche Essen darstellt. Auch politisch ist wahrlich nicht alles im Lot. Es gibt nun einige Vorstellungen, die nicht alle unbedingt rosig aussehen. Könnte beispielsweise auch in Europa die Zahl der Menschen so sehr ansteigen, dass die Wohnungsangebote knapp werden? Dass auch hier irgendwann Zustände wie in den Millionenmetropolen in Asien herrschen?
Eine Wohnung mit 50 Quadratmetern nur noch zu einem Mietpreis, der heute für ein Einfamilienhaus zu bezahlen ist, erhältlich ist? Erste Tendenzen sind zu sehen: Die Städte, in denen hier in Deutschland das Leben pulst, in denen Arbeit zu kriegen und jeglicher Lebenskomfort zu haben ist, zeichnen sich auch durch hohe Quadratmeterpreise aus – die wenigen Wohnungen in den besseren Wohngegenden sind Grund hierfür. Noch sind wir weit davon entfernt, Wohnungen im Schichtdienst zu nutzen – quasi einen Schlafplatz und eine Waschgelegenheit mit einem anderen Menschen zu teilen. Doch was die Zukunft bringt, ist nicht absehbar. Vielleicht hat irgendwann jeder Mensch eine eigene Parzelle, das wichtigste Instrument hierin ist der Computer – für Kommunikation, für Unterhaltung und Besorgungen. Zugeteilt nach Bedürfnis, nicht mehr, wie heute, nach finanziellen Möglichkeiten und Ansprüchen an das eigene Leben. Vielleicht gibt es das Haus im Gründen irgendwann nicht mehr? Schrecklicher Gedanke!
Einige Visionäre haben es schon des Öfteren ausgesprochen: Alle Menschen sollen gleich sein; nirgendwo auf der Welt sollte es Hunger geben, dürften Kriege angezettelt werden, in denen selbst das Leben kleiner Kinder keine Wertigkeit besitzt. Davon ist man, wie jeder weiß, weit entfernt. Die einen können sich Schmuck kaufen, die anderen schicken ihre Kinder arbeiten, um wenigstens überleben zu können. Die einen schützen den Regenwald, die anderen holzen ihn aus Profitgier ab. Tiere sterben aus, weil Menschen Handtaschen brauchen, auf der anderen Seite werden Tierschützer verhaftet, weil sie in ihrer Verzweiflung über das menschliche Tun gegen Gesetze verstoßen. Von einer Gleichheit und Einigkeit auf der ganzen Welt sind wir Menschen weiter entfernt, als es jede noch so schöne Vision wettmachen könnte.
Auch hier haben Drehbuchautoren schon Geschichten aus dem Science Fiction Genre erfunden: Es wäre ein großer Vorteil für die Menschen, wenn es kein Geld mehr gäbe, das Neid und Missgunst, Ausbeutung und andere schlimme Dinge in den Leuten auslöst. Eine Weltraumpatrouille, die mit Replikator, Beamer und Angehörigen aller Lebensformen in Einheit durch die Galaxie reist – gekleidet in eine spacige Trachtenmode, ehrlich und edel gesinnt, bestrebt, überall im Universum Frieden und Gleichheit zu schaffen: Wunschdenken, oder wirklich irgendwann einmal Realität?
Schon heute feiern die Menschen Grillpartys, während irgendwo auf der anderen Seite der Erde gerade Kinder verhungern. Naturkatastrophen sind an der Tagesordnung, zumindest hat man das Gefühl. Dass es zu Gleichheit auf der Erde auch in naher Zukunft nicht kommen wird, hat seinen Grund: Die Menschen, denen es gut geht, geben nicht wirklich viel ab. Sie diskutieren über neue Grills, die beste Methode der Fleischzubereitung und auch politische Themen, während sie im Überfluss leben. Dass ein Bruchteil der Lebensmittel die hierzulande weggeworfen werden, ausreichen würde, um Leben zu retten, anderen Menschen ein schöneres Leben zu bereiten: Das ist ein Thema, das auf einem lustigen Fest nichts zu suchen hat – es würde die Stimmung drücken.
Es nehmen, wie es kommt
Es ist schwer, eine Prognose abzugeben, was von all diesen Geschichten nun Wirklichkeit wird und in welcher Form sie die Menschen trifft. Von der Prophezeiung über den bevorstehenden Weltuntergang bis hin zu einem Leben in Frieden und Freude kann alles eintreten – und jede Nuance dazwischen ebenfalls. Selbst der beste Privatermittler ist mit seinem Latein am Ende, wenn es um Dinge in der Zukunft geht. Am besten ist es, sich verantwortlich seiner eigenen Zukunft zu verhalten, und damit allen Menschen die Chance zu geben, es einem gleichzutun. Was nebenher von Wissenschaftlern, Volkskundlern und anderen Experten bewerkstelligt und geschaffen wird, muss man ohnehin nehmen, wie es kommt. Von Generation zu Generation, von Epoche zu Epoche, von Mensch zu Mensch.